Leas steiniger Weg in die Ausbildung
Manchmal verliert man den Boden unter den Füßen. Bei Lea Hohlfeld war dieser Fall tief: Drogen, eine Zeit ohne festen Wohnsitz, Orientierungslosigkeit. Doch ihre Geschichte zeigt, dass kein Abgrund tief genug ist, um nicht wieder herauszuklettern – wenn man den Mut hat, die ausgestreckte Hand von Menschen wie Anne Passow zu ergreifen.
DER ABSTURZ UND DIE ERSTEN SCHRITTE ZURÜCK. Schon als Kind war für Lea klar, wohin ihr Weg einmal führen sollte. „Ich bin immer mit Tieren aufgewachsen – Meerschweinchen, Hunde, Katzen. Mein Ziel war immer, irgendwas mit Tieren zu machen“, erzählt sie. Nach ihrem Realschulabschluss begann sie ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Dresdner Zoo. Doch schnell merkte sie, dass Tierpflege nicht ganz das war, was sie sich vorgestellt hatte. Zurück in ihrer Heimatstadt Bautzen suchte sie weiter nach Orientierung. Sie begann eine Ausbildung zur Ergotherapeutin. Doch auch das passte nicht. Es folgten gesundheitliche Probleme, Zweifel, Panikattacken und schließlich der totale Absturz. „Ich hing komplett in der Luft und war orientierungslos“, sagt Lea rückblickend. Drogenprobleme und Streit mit den Eltern – das war eine Phase, in der scheinbar nichts mehr ging. Der Wendepunkt kam durch Menschen, die an sie glaubten. Ihr Freund unterstützte sie und ermutigte sie, Hilfe anzunehmen. Dem Rat ihrer Eltern folgend, gingen sie gemeinsam zum Jobcenter. „Ich war sehr zurückhaltend und sehr ängstlich. Ich wollte eigentlich gar nicht hin“, erinnert sich Lea. Im Jobcenter traf sie auf Anne Passow. Die Fallmanagerin machte Lea Mut und zeigte Perspektiven auf. So empfahl sie Lea die Teilnahme am Projekt „Schritt für Schritt“ bei der Berufsakademie Ostsachsen GmbH. Der Name war Programm: zunächst nur drei Stunden täglich. Struktur lernen, den Alltag bewältigen, Vertrauen aufbauen. „Schon das frühe Aufstehen war eine Herausforderung“, sagt Lea. Doch nach und nach wuchs sie hinein. Erste Erfolge stellten sich ein, und aus neuen Kontakten entstanden sogar Freundschaften. Anne Passow weiß, wie entscheidend diese Phase war: „Das hört sich alles banal an, aber das sind wichtige Kompetenzen, die Schritt für Schritt wieder erlernt werden müssen.
DER WEG IN DIE PRAXIS. Nach anderthalb Jahren bei der BAO war Lea bereit für den nächsten Schritt: ein Praktikum. Die Wahl fiel auf die Zittauer Zoohandlung von Klaus-Peter Scharf. Der Inhaber erinnert sich gut an den ersten Eindruck: „Wenn jemand mit bunten Haaren reinkommt, ist man erst mal etwas schockiert. Doch vom äußeren Eindruck her darf man nicht auf das Innere schließen. Ich wollte ihr eine Chance geben.“ Eine Entscheidung, die sich schnell als richtig erwies. Lea zeigte Engagement und Interesse und wuchs rasch in ihre Aufgaben hinein. „Ich bin von allen im Team gut aufgenommen worden“, sagt sie. Herr Scharf bestätigt: „Sie war von Anfang an sehr engagiert. Die Kunden waren sehr zufrieden mit ihr und fragten schon gezielt nach ihr.“ Nach dem Praktikum war klar: In der Zoohandlung sollte es weitergehen. Da Herr Scharf bereits einen Auszubildenden hatte, wurde auf Initiative des Jobcenters eine Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung (BaE) organisiert. Bildungsträger ist die Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH. Herr Scharf blieb Praxispartner und begleitete Lea im Alltag. Ein entscheidender Schritt, wie Anne Passow betont: „Wir wollten keine Zeit verlieren. Lea war bereit für die Ausbildung.“ Gleichzeitig richtet sie einen Dank an alle Beteiligten: Ohne die engagierte Zusammenarbeit der BAO im Rahmen der Maßnahme und die intensive Begleitung durch die FAW wäre dieser Weg so nicht möglich gewesen.
NEUANFANG UND PERSPEKTIVE. Heute ist Lea im ersten Lehrjahr zur Kauffrau im Einzelhandel – und manchmal überrascht sie das selbst. „Das hätte ich nicht gedacht, dass es so gut funktioniert“, sagt sie. In der Berufsschule schreibt sie fast ausschließlich Einsen. Frau Passow nennt sie scherzhaft eine „Streberin“, worauf Lea nur stolz lächeln kann. Auch im Laden wird Lea immer sicherer. „Wenn ich einmal aufgetaut bin, funktioniert das richtig gut.“ Besonders interessiert sie sich für Nager und Reptilien. Eigenständig arbeitet sie sich in neue Themen ein. Für Anne Passow ist Lea ein besonderes Beispiel: „Ich bin stolz auf die Lea, wie sie sich von der Straße aus hochgekämpft hat. Das war all die Mühe wert.“ Und sie wird deutlich: „Seit 20 Jahren arbeite ich im Jobcenter. Da jeder Jugendliche Potenziale hat, will ich diese aktiv in berufliche Chancen umwandeln. Wenn man respektvoll miteinander umgeht, kann man gemeinsam vieles erreichen.“ Leas Geschichte zeigt, dass es nie zu spät ist, dass Rückschläge nicht das Ende sind und dass Menschen wie Frau Passow dafür kämpfen, keinen Jugendlichen fallen zu lassen. Lea selbst blickt nach vorn. Ein Umzug steht an. Das ist wieder eine Veränderung. „Ich tu mich schwer damit, aber ich habe gelernt, dass es funktionieren kann. Also wage ich es.“ So wie Lea kann jeder etwas erreichen, egal wie tief man gefallen ist. Es ist zu schaffen, wenn man bereit ist, Hilfe anzunehmen. Und wenn es Menschen gibt, die nicht aufgeben.
Informationen für ausbildungs- und arbeitssuchende Jugendliche unter:
Linda Döring (U27-Team Görlitz)
03581 / 6 63 42 90
linda.doering@kreis-gr.de
Thomas Maetschke (U27-Team Weißwasser/O.L. / Löbau / Niesky)
03581 / 6 63 42 10
thomas.maetschke@kreis-gr.de
Stephan Schmidt (U27-Team Zittau)
03581 / 6 63 47 70
stephan.schmidt@kreis-gr.de
Lunitz 10, 02826 Görlitz
E-Mail: Stephan.Schmidt@kreis-gr.de
Telefon: 03583/ 72 20 72