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Gehen oder bleiben?
Schülerbefragung zur beruflichen Orientierung im Landkreis Görlitz
17.08.2017

Mehr als die Hälfte der Zehntklässler aus dem Landkreis Görlitz wollen für Ausbildung oder Studium in der Region bleiben. Das ergab eine Befragung von Schülerinnen und Schülern im vergangenen Schuljahr. „Wir wollten eine Einschätzung der Jugendlichen bekommen, wie sie ihre Perspektiven sehen und wie sie die Angebote zur beruflichen Orientierung bewerten“, erläutert Projektleiterin Sabine Schaffer von der Koordinierungsstelle für Berufsorientierung beim Landratsamt. Besonders erfreut sei sie, dass die durch den Landkreis entwickelten Angebote etabliert und beliebt sind. Der Ausbildungsatlas INSIDER, der in diesem Schuljahr bereits in der siebenten Auflage erscheint, wird mittlerweile an allen Schulen eingesetzt. Der Bekanntheitsgrad der Ausbildungsmesse INSIDERTREFF liegt in Klassenstufe 10 bei nahezu 90 Prozent. „Dieser Erfolg ist nicht zuletzt zurückzuführen auf die enge und gute Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Agentur für Arbeit Bautzen, Handwerkskammer Dresden und IHK Dresden“, so Sabine Schaffer. Unangefochtener Spitzenreiter bleibt aber das Praktikum, wenn es um die Wahl von Beruf und Betrieb geht. Sabine Schaffer: „Die Schüler brauchen den direkten Kontakt mit Betrieben, Ausbildern und Azubis, wollen sich ausprobieren und Informationen aus erster Hand. Das hilft ihnen am meisten bei der Entscheidung, welcher Beruf der richtige ist.“ Hilfreich ist für die Schülerinnen und Schüler aber auch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Bautzen. Die Berufsberater erhalten gute Noten. Zu allererst setzen sie aber weiterhin auf den Rat der Eltern. Sie bleiben mit 83% unangefochten an der Spitze.

Für die Betriebe bringen die Umfrageergebnisse alarmierende Zahlen. Nur rund ein Drittel der Befragten möchte eine duale Ausbildung beginnen. Konkurrenten sind weiterführende Schulen (Fachabitur) und alternativ organisierte Ausbildungen (u.a. im Gesundheits- und Sozialwesen sowie bei Polizei und Bundespolizei). Dabei gibt es ebenfalls Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Jungen streben doppelt so häufig eine betriebliche Ausbildung an. Mädchen möchten häufiger als Jungs eine schulische Ausbildung absolvieren bzw. planen den Besuch einer weiterführenden Schule. „Es sieht fast so aus, als hätte die Ausbildung im Betrieb für die Jugendlichen an Attraktivität verloren. Diesen Trend gilt es umzukehren, um die Unternehmen bei der Sicherung der Nachwuchsfachkräfte zu unterstützen“, sagt Sabine Schaffer. Bei der Berufswahl zeigen sich die jungen Herren der Schöpfung mittlerweile flexibler. Während Mädchen weiterhin eher geschlechtertypische Berufe favorisieren, erobern die Jungen Branchen, die eher frauentypisch sind. Unter den acht meistgenannten Berufen tauchen Gesundheits- und Krankenpfleger ebenso auf wie Erzieher. Nummer eins in dieser Kategorie ist allerdings eine Ausbildung bei der Polizei oder Bundespolizei, gefolgt von den Fachinformatiker- und Elektroniker-Berufen. Bei den Mädchen wurden am häufigsten die Gesundheitsberufe benannt. Auf Rang zwei landet die Erzieherinnen-Ausbildung. Und auch bei den jungen Frauen liegen Uniformen im Trend: Rang drei für eine Karriere bei Polizei/Bundespolizei.

Befragt wurden die Klassenstufen 8 bis 10 an den Ober- und Förderschulen im Landkreis Görlitz. Es beteiligten sich 992 Schülerinnen und Schüler. Das Verhältnis von Jungen und Mädchen war dabei nahezu ausgewogen. Der Anteil der Förderschüler lag bei 12 Prozent. Neben der beruflichen Orientierung interessierte auch die Einschätzung der regionalen Lage. Den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, die Verdienstmöglichkeiten und die wirtschaftliche Situation sollten die Jugendlichen ebenso bewerten wie Freizeitmöglichkeiten und Verkehrsanbindung. Mädchen sehen die Region deutlich kritischer als junge Männer. So gaben 66 Prozent der Jungen an, dass sie gute Chancen auf einen Arbeitsplatz sehen. Bei den Mädchen waren es 14 Prozent weniger. Alarmierend ist, dass dreimal mehr Mädchen die Region verlassen wollen wie ihre männlichen Altersgenossen. „Hier bedarf es genauer Handlungsstrategien im Hinblick auf die Angebotsausgestaltung und eine verbesserte geschlechterspezifische Kommunikation“, schlussfolgert Sabine Schaffer.

Insgesamt bekommt der Landkreis Görlitz gute Noten für sein Engagement bei der beruflichen Orientierung der Schülerinnen und Schüler. Mit steigender Klassenstufe nimmt die Unsicherheit ab. In Klassenstufe 10 sagen nur sieben Prozent, dass sie nicht wissen, was sie nach der Schule machen sollen. Über 60 Prozent fühlen sich auf die Zeit nach der Schule gut vorbereitet. „Das ist ein schönes Ergebnis - es bleibt aber noch eine Menge zu tun“, so Sabine Schaffer.

Anmerkung: Die Ergebnisse der Befragung beruhen auf subjektiven Einschätzungen der Schülerinnen und Schüler. Eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung ist auf dieser Grundlage nicht möglich. Gleichwohl dient die Befragung mit ihren Ergebnissen dazu, einen fundierten Überblick über die Berufs- und Studienorientierung sowie die beruflichen Ziele der Schüler im Landkreis Görlitz zu bekommen. Die Ergebnisse der Schülerbefragung erhalten Sie per E-Mail über sabine.schaffer@kreis-gr.de. 

 

Kontakt: Landratsamt Görlitz, Schul- und Sportamt, Koordinierungsstelle für Berufsorientierung (KOS), Bahnhofstraße 24, 02826 Görlitz, www.insider-goerlitz.de, Tel: 03581 663-9326, E-Mail: sabine.schaffer@kreis-gr.de